NACHGEFRAGT bei JOSEF JEKER, KIRCHLICHE GLEICHSTELLUNGSINITIATIVE

Herr Jeker, dank Ihnen und 30 weiteren Mitstreitern der Gleichstellungsinitiative sind die beiden Katholischen Landeskirchen Basel-Stadt und Baselland seit zwei Jahren verpflichtet, sich für die völlige Gleichberechtigung der Frauen in der Katholischen Kirche einzubringen. Heute wird die Initiative in Luzern mit dem Herbert-Haag-Preis für Freiheit in der Kirche ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen das?

Es ist natürlich eine riesige Anerkennung, dass die Gleichstellungsinitiative dadurch noch einmal in die Öffentlichkeit kommt; der Preis ist der renommierteste katholische Kirchenpreis im deutschen Sprachraum. Es geht uns vor allem darum zu zeigen, dass eine ganze Menge Menschen hinter unserem Anliegen steht. Schließlich hätten wir bei der Abstimmung 2014 nicht mit einer so eindeutigen Zustimmungvon 87 Prozent gerechnet. Daswaren über 20000 Menschen.Weil wir aber sehen, wie vielweltweit für die Frauenrechte in der Kirche gekämpft wird und dass sich trotzdem fast nichts bewegt, haben wir beschlossen, unseren Auftritt in Luzern mitHumor zu nehmen undwerden einen Schnitzelbank singen.

Sie haben es eben selbst gesagt: Die Verfassungsänderung in den beiden Landeskirchen ist ein symbolischer Akt mit wenig konkreten Auswirkungen in der globalen Kirche. Feiern Sie nicht einen Pyrrhussieg?

Offiziell hat sich seit unserer Eingabe im Vatikan imvergangenen Juli nicht viel getan, das ist richtig. Aber ich bin nicht sicher, ob der Einfluss wirklich messbar ist. Ich habe das Gefühl, es braut sich etwas zusammen, es gibt aber noch zu vieleWiderstände. Immerhin gibt es in hohen Laienpositionen selbst im Vatikan schon Frauen, in der Leitung der Vatikanischen Museen und einer der Päpstlichen Universitäten zum Beispiel. Ich muss aber zugeben, dass ich eine wahnsinnige Ungeduld habe: Im 21. Jahrhundert sollte unsere Kirche die Frauenfrage endlich lösen.

Welche konkreten Auswirkungen hatte der Erfolg der Gleichstellungsinitiative für die Region?

Für die katholischen Frauen in beiden Basel vorerst wenig. Aber alle großen Veränderungen in der Katholischen Kirche kamen von der Basis. Und wir haben in Felix Gmür einen
liberalen Basler Bischof. Dieweltweit einzigartige Struktur der Katholischen Kirche in der Schweiz mit ihren Landeskirchen ähnlich den evangelischen hat Vor- und Nachteile: Die Stärke ist, dass wir solche Initiativen überhaupt durchziehen können; die Schwäche ist, dass schon in angrenzenden Ländern diese Strukturen fehlen, sodass unser Ansatz in dieser Art nicht übertragbar ist.

Waren Sie während der Initiative in Kontakt mit den Glaubensgeschwistern der evangelischen und alt-katholischen Kirche, die Ihr Ziel der Gleichstellung ja bereits erreicht haben?

Nicht direkt. Letztlich haben wir die dortige Rolle der Frau als Maß genommen; aber unser Kampf ist eine innerkirchliche Angelegenheit. Allerdingsmuss ich auch sagen: Wenn die
Katholische Kirche in dieser Sache ein anderes Amtsverständnis hätte, wäre das ein enormer Schub für die Ökumene.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE BORIS BURKHARDT
Der Sonntag